Chronik

 

Hier eine Orginal- Abschrift aus der Chronik von Obertiefenbach aus den Jahren 1925/26 bis 1948

Übersetzt von Willi Schülein im Jahre 2011


 

Die Drescharbeit war zeitig beendet und die Holzfällung konnt schon anfang Dezember begonnen werden. Die wirtschaftliche Lage hat sich noch verschlechtert. Die Einnahmen immer weniger, die Ausgaben größer und alles teurer was gebraucht wird. Geld sehr wenig zinsfuß steigend. Die Obsternte war eine mittlere bei gedrückten Preisen. Am 07. Sepember nachts brannte die Scheune mit Stallungen infolge Kurzschluß des Phl. Wilhelm Maxeiner vollständig nieder. Es starben 3 ältere Personen und 1 Kind.

1926

Das Jahr fing mit Regenwetter an und dauerte bis Ende Januar und konnten landwirtschaftliche Arbeiten den ganzen Monat verrichtet werden, dazu gab es Frost und viel Schnee bis fast Ende März. Da wurde es Frühling und die Hafersaat und Kartoffellegen ging gut vorwärts und Grünfutter gab es in Fülle. Die Heuernte war reichlich, ging aber infolge vieler Gewitter sehr langsam vorwärts. In diesem Jahr hatten wir die meisten und schwersten Gewitter oft mit Blitzschlag und Hagel wie seit langen Jahren nicht mehr. Die Halmfrucht war gut, konnte aber durch Gewitter und Regen schlecht eingebracht werden und war vielfach ausgewachsen. Die Kartoffelernte litt sehr unter den Regen und es gab massenhaft faule Knollen und der Preis dafür war nicht hoch, ebenso waren die Fruchtpreise wegen schlechter Qualität sehr niedrig. Die Obsternte hat infolge später Maifröste sehr gelitten und es gab nur strichweise Obst und durch den Regen und Hagel minderwertig und daher auch im Preise sehr niedrig überhaupt nicht haltbar. Das Jahr ging in gedrückter Stimmung seinem Ende zu ohne daß sich die Lage gebessert hat, sondern das Gegenteil trat ein die Einnahmen weniger die Abgaben höher. Gestorben in diesem Jahr 1 Jüngling. In diesem Jahr wurde die hiesige Kirche in Innern renoviert von Maler aus Ehrenbreitstein. Am 06. Juni 1926 feierte der Sportverein ein großes Fest auf dem Sportplatz.

1927

Der Winter begann frühzeitig mit Schnee und Kälte, aber vom Janunar an gab es nur noch Nebel, Regen und Schneeschauer den ganzen Winter hindurch bis Ende März so daß die Feld und Gartenarbeit erst im Apil begonnen konnten und sich lange hinausschoben. Grünfutter gab es erst spät aber dann reichlich. Die Obstblüte litt sehr unter Regen und gab im allgemeinen wenig Kirschen und Äpfel mit Ausnahmen einiger späten Sorten. Birnen gab es mehr. Die Preise für Obst waren der Lage entsprechend gut. Die Heuernte war gut eingebracht worden und war reichlich. Die Frucht litt sehr unter häüfigen Regen bei der Ernte und wurde schlecht eingebracht und gab schlechtes Stroh und schlechtes Brot und der Preis für Stroh und Körner war der Qualität entsprchend niedrig. Die Viehpreise dagegen waren hoch und das Fleisch teuer. Die Kartoffeln waren wenig und klein, aber im Preise hoch. Andere Hackfrüchte gab es mehr aber viele faule Knollen. Grummet gab es eine mittlere Ernte und konnte in wenigen Tagen gut eingebracht werden, wenn auch etwas später als sonst. Die Lage im allgemeinen ist nicht besser sondern noch schlechter geworden. Es starbrn in diesem Jahr 3 ältere Personen. In diesem Jahr wurde die Kirche von außen renoviert von Jak. Klein aus Pohl.

1928

Mit Januar gab es viel Schnee bei geringer Kälte bis Ende Januar. Von da ab meist trockenes Wetter und vereinzelte Nachtfröste, so daß schon im Februar die Weidenkätzchen da waren, sogar schon hier und da Blümchen und die Knospen der Obstbäume kamen hervor und die Kirschen blühten sehr früh und auch die Obstbäume blühten sehr früh. Es gab Kirschen sehr viel auch anderes Obst reichlich besonders Zwetschen in Fülle. Es wurden viele Äpfel und Zwetschen zu annehmbaren Preisen nach auswärts verkauft nur die Birnen waren im Preise niedrig. Durch das günstige Sauwetter stand die Halmfrucht sehr gut. Die Heuernte war reichlich kam aber nicht gut ein da Regenwetter eintrat und dadurch sehr langsam vor sich ging, Gewitter waren den Sommer nur wenig. Während der Ernte war gutes Wetter und ging die selbe schnell von statten so daß schon Ende August die Halmfrucht und fast der ganze Grummet eingebracht waren. Die Preise waren infolge der guten Ernte nicht hoch, besonders Kartoffeln deren es in Fülle gab und wenig faule waren sehr billig. Von November an regnete es oft tagelang bis Ende des Jahres. In diesem Jahr wurde das uralte Rathaus mit Backhaus und das alte Wachthaus zum Abbruch verkauft und auf diesem Platz ein stattlicher Neubau gebaut mit allem der Neuzeit entsprechenden Backhauseinrichtungen im unteren Stock, im oberem Stock ein großer Sitzungssaal und ein Dienstzimmer. Der Kichturm der lange sehr defekt war, weil die Gemeinde Bettendorf sich weigerte ihr Anteil Kosten zu tragen, wozu sie später gezwungen wurden, ist in diesem Jahr ganz umgedeckt worden vom Dachdecker Wilh. Häuser hier. Bei dieser Arbeit wurde von dessen Sohn Heinrich der Hahn herunter geholt, in jedem Haus gezeigt und nach zwei Tagen mit Bänder geschmückt von dem Schwiegersohn des Wilh. Häuser, Karl Walter III wieder auf seinem Platz gebracht. Indiesem Jahr ist hier Niemand gestorben. Die Wirtschaftliche Lage hat sich nicht gebessert. Das Zifferblatt der weit über 100 Jahr alten Kirchenuhr wurde erneuert und mit 24 Stunden versehen.

1929

Mit der zweiten hälfte Januar setzte bei wenig Schnee starke Kälte ein bis Ende Januar, dann gab es noch Schnee der aber bald schmolz und dann setzte wieder starke Kälte ein, die bis in den März hinein dauerte ohne Schnee, daß der Boden 1-1/2 Meter tief gefroren war und die Wasserleitungen wochenlang zugefroren waren uund auch erheblicher Schaden an unser Pumpwerk entstand, es war der kälteste Winter seit Jahrzehnten. Das Frühjahr kam spät und die Feldbestellung zog sich lange hienaus. Die Obstblüte zog sich noch zumteil in den Juni hinein. Die Heuernte und Getreiteernte wurden gut eingebracht und hatten einen mittleren Ertrag. Die Körnerfrucht hatte durch die Kälte ohne Schnee stark gelitten und brachte keinen vollen Ertrag besonders an Stroh. Die Knollengewächse hatten sich durch das gute Sommerwetter gut entwickelt und lieferten einen guten Ertrag, ebenso an Obst besonders an Birnen. Die Fruchtpreise hielten sich ziemlich hoch und die Obstpreise waren auch ziemlich gut, besonders für bessere Sorten. Wegen dem zunehmenden Autoverkehr mußte an einigen Stellen die Ortsstraße erweitert werden, zu diesem Zweck wurde das alte Leiterhaus, das Spritzenhaus abgerissen und das Spritzenhaus vor das Dorf nach Bettendorf zu erbaut. Die alte schadhafte Mauer am alten Friedhof vor der Kirche wurde abgelegt, weiter zurückgesetzt, ebenso die Gartenmauer des Schuster H. Bilo und die Gartenmauer der Wirtschaft Bilo und so gab es Gelände für die Straße zu erweitern mit einem beträchtigen Kostenaufwand. Die wirtschaftliche Lage wird immer trostloser, alles was man kaufen muß ist teuer besonders Kleider und Schuh, Geld wird immer knapper und ist nur schwer gegen hohe Zinsen zu bekommen zu 10 bis 14%. Arbeitslosigkeit überall weil kein Geld da ist und das Jahr geht mit trüben Aussichten zu Ende. In diesen Jahr starb eine ältere Person. Am 01. Oktober verließ uns Pfarrer Sauer nachdem er 11 Jahre hier war und nahm eine Stelle im Rheinland an.

1930

Der Vorwinter brachte kurze Zeit etwas Kälte mit Schnee, dann blieb es im Januar ganz gelind und gab nur Nebel und Regen, so daß die Schnecken an den Wintersaaten großen Schaden anrichteten und die Mäuse in den Kleeacker, die Mäuse waren so massenhaft daß sie vertilgt werden mußten durch Giftweizen oder Gas. Es blieb gelindes Wetter abwechselnd mit geringen Nachtfrost, Regen und Schneeschauern sogar mehrmals mit Gewitter bis Ende Februar, dann gab es noch einige Wochen starkes Frostwetter ohne Schnee , dann gab es gutes Wetter und blieb gut. Die Aussaat des Hafers konnte erst im ersten drittel im April geschehen, das Kartoffellegen dauerte bis ins letzte drittel des Mai und auch das Grünfutter blieb lange aus und der Vorrat vom alten wurde aufgebraucht. Die Heuernte fiel gut aus und wurde gut eingebracht. Die Halmfrucht wurde gut eingebracht, fiel aber gering aus in Bezug auf Körner und Stroh, der Hafer brachte mehr Körner und auch Stroh. Die Kartoffeln lieferten einen reichen Ertrag aber der Preis blieb niedrig. Die Knollengewächse lieferten einen vollen Ertrag gab aber viele faule Knollen. Die Gemeinde- vertretung besteht zur Zeit aus folgenden Personen; Bürgermeister Maxeiner I.. Schöffe Ad. Knorr II. Schöffe. Fr. Püsch. H.Feilbach. Willi Ludwig. Wilh. Häüser. Jak. Clos. H. Walter II. Ernst Bilo. Phil. Maxeiner, H. Kunz, Jos. Schleimer. Ortsgericht: Bürgermeister Maxeiner, Karl Werner, H. Wolf. Kirchen- Vorstand: Karl Maxeiner, Jak. Clos, Vertreter; Chr. Ludwig; H. Lehr; Karl Walter II; Ad. Knorr; Georg Benkheuser; Ph. Maxeiner. Vom 01. Oktober 1929 bis 01. April 1930 hatte Pfarrer Meister Niedertiefenbach die Vertretung der hiesigen Pfarrstelle. Am 01. April trat der von den kirchlichen Körperschaften gewählte Pfarrer Schubert aus Düsseldorf die Pfarrstelle an.

Nachtrag zu 1928

Das Spritzenhaus wurde aus dem Dorf, ober das Dorf an der Straße gestellt. Das vom Sportverein angeregte Projekt zur Erbauung eines Ehrenmales für die Gefallenen wurde duch tatkräftige Hilfe unendgeldlich und durch Steuermittel gefördert und durch freiwilige Hand und Spanndienste, sowie durch Geldspenden reichlich unterstüzt von den Ortsbewohnern. Wie die Wehrpflichtigen aus allen Orten ihrer Heimat zu den Sammelstellen gerufen wurden um von hier aus in die lebendige Menschenmauer jeder an seinen Platz eingereiht zu werden um dann als ganzes vor dem Feind zu stehen, so wurden auch die einzelene Steine aus ihrem Lager in der Heimat herausgeholt und zur Sammelstelle am Friedhof gebracht um von hier durch heimatliche Handwerker und heimatliches Material jeder Stein an den richtigen Platz gesetzt, steht es als Ganzes fest und trotzig als Zierde des Friedhofs und der Gemeinde und konnte am 22. Juli 1928 durch Pfr. Sauer feierlich geweiht werden ,den Gefallenen als Ehrenmal, den Lebenden als Denkmal und dem kommenden Geschlecht als Mahnmal. Überall fanden von 1930 ab nationasozialistische- Versammlungen statt. Von 1930 ab gab es wieder bessere Zeiten für Handel und Gewerbe, Industrie und Landwirtschaft, aber die Parteikämpfe wurden immer heftiger und die Wahlen kamen immer öfter, bis schließlich die Hitler Partei unter dem Namen Nationalsozialistische-Deutsche- Arbeiterpartei, abgekürzt NSDAP die Oberhand behielt. Als Adolf Hitler durch Staatsakt in der Garnisionskirche zu Potsdam vom Reichspräsident Hindenburg am 21 März 1933 die Macht übernahm, blieb die NSDAP als Staatspartei bestehen, alle Andere fielen weg. Jetzt folgten gute fruchtbare Jahre für die Landwirtschaft, die Arbeitslosigkeit beseitigt durch Staßen und Autobahnbau, jeder der Arbeiten konnte, mußte arbeiten, es gab keine Wegelagerer mehr und so entstand auch unter den Arbeiter ein gewißer Wohlstand. Hitler schloß Handelsvertr. Und sonstige Verträge mit dem Ausland ab und vor allem benutzte die friedliche Zeit zum Aufbau der Wehrmacht, so daß in zwei Jahren der aktive Wehrdienst bestand für die Jahrgänge von 19 bis 45 Jahren und der Volkssturm von 16 und über 45 bis 60 Jahren. Die leeren Garnisionen am Rhein und an der Westgrenze wurden besetzt. Auch die Gliederungen der Partei wurden geschaffen und ausgebaut, wie die Deutsche Arbeitsfront. SA-SS- HJ-Jungvolk Frauenwerk. B.D.M .und Andere. Überall wurde daran gearbeitet, um Deutschland vom Ausland unabhänig zu machen. Der seit dem ersten Weltkrieg eingeführte Volkstrauertag der am 2. Sonntag nach Ostern Miserikordia zu deutsch Gedenke begangen wurde ist nach der Machtübernahme als Heldengedenktag umgenannt worden und durch feierlichen Gottesdienst in der Kirche, dann anschließend im feierlichen Zuge zum Ehrenmal, wo unter Trauermusik, gemeinsamer Gesang, Vorträge der Schule, B.D.M . Frauenwerk und Ansprachen die Feier stattfand. Es nahmen Teil, Schuljugend, sämtliche Vereine und Gliederungen der Partei und die Gemeinde. Nach der Machtübernahme fanden überall Neuwahlen statt. Der sei 1923 als Bürgermeister hier tätige Karl Maxeiner I , legte sein Amt nieder und bei der Neuwahl wurde Heinrich Feilbach als Bürgermeister der Gemeinde mit 6 gegen 5 Stimmen gewählt. Er fand viel liegengebliebene Arbeit in der Gemeinde. Der Wege zur Plätzermühle wurde ausgebaut, mehrere Feldwege hergestellt, die Ortsstraßen hergestellt, zum teil breiter gemacht und so wurde überall Ordnung gemacht so gut es ging. Im Jahre 1934 wurden durch freiwillige Spenden und Zuschuß der Gemeinde neue Glocken angeschaft für die zwei abgeliesten. Die große Glocke mit der Inschrift „Der Krieg schlug mich nieder, die Liebe schuf mich wieder“, die kleine Glocke hat die Inschrift „Bete und arbeite“, sie wurden am 2. Sonntag nach Ostern durch Pfr. Schubert geweiht und stammen aus der Glockengießerei Gebrüder Rinter in Sinn. Ein Jahr später wurde die Turmuhrenfabrik Jakob Gökel in Flörsheim laut Arbeitsbeschaffung mit der Lieferung einer neuen Turmuhr zum Preise von 900,- Mark und zur Lieferung bis Pfingsten nächsten Jahres beauftragt, die auch fristgemäß an der Stelle der alten nicht mehr gangfähigen gestellt wurde, gut geht und ganze und halbe Stunden schlägt. Das Pumpenwerk der Wasserleitung sowie die Leitung selbst machten oft Sorgen. Durch Blitzschlag hatte der Motor schwer gelitten und mußte nun ersetzt werden. Rohrbrüche mußten beseitigt werden das Pumpwerk selbst mußte repariert werden der Windkessel mußte erneuert werden und immer wieder kamen neue Mängel. Sonst waren die Jahre bis zum Sommer 1939 als der zweite Weltkrieg kam sehr gut und die Sterblichkeit gering. Zu Ostern 1938 feierten die Eheleute Heinrich Kunz I .die goldene Hochzeit und im Sommer stiegen schon die Wolken des Weltkrieges auf bis sie sich dann entluden. Es folgten sofort Kriegsmaßnahmen, viele junge Leute wurden eingezogen, Lebensmittelkarten eingeführt und die Bewirtschaftung aller wichtigen Artikel angeordnet und so spürte man den Krieg auch in der Heimat und besonders durch das Fehlen vieler Arbeitskräfte. Auch Lehrer Ermert ging zur Wehrmacht und der Schuldienst durch auswärtige Vertrtung versehen. Sonst war das Jahr 1939 ein sehr gutes an Feldfrüchten und Obst. Der Krieg ging weiter und forderte Opfer an Menschen und Pferde und Material. Totesnachrichten kommen und wurden auch Pferde eingezogen und überall spürt man den Krieg immer mehr. Am 01. Juni 39 verließ uns Pfarrer Schubert und übernahm eine Pfarrstelle in Frankfurt und am 01. Oktober kam Pfarrer Saueressig und nahm die Pfarrstelle an.. Er wurde auch bald zur Wehrmacht eingezogen und die Vertretung Pfr. Meister Niedertiefenbach übertragen. Der Ktieg ging weiter und unsere Truppen standen siegreich weit in Rußland, Norwegen , Frankreich und an der englichen Küste. Engliche Flieger überflogen oft Deutsche Gebiete und warfen Bomben besonders über den Städten am Rhein der Reichshauptstadt und auch in unserer Nähe, aber unsere Flieger schossen viele ab und zwangen sie zur Umkehr. Amerika zog nun auch zum Krieg gegen uns sie verschaften sich Stützpunkte für Heer und Flugzeuge und von da aus mit tausenden von Flugzeugen Deutschland zu überfallen und unsere Flieger zu vernichten. Die Sachlieferungen für Kriegszwecke wurden immer mehr und so mußten auch die beiden Glocken wieder abgegeben werden. Einquatierungen lößten sich ab und der Krieg wurde für die Heimat immer fühlbarer und lebenswichtige Sachen wurden knapp und teuer, aber man hoffte immer auf den Sieg. Als dann am 20. Juli 1944 das geplante Attentat auf den Führer mißglückte was den Krieg beenden sollte und Verrat am Werke war, kam die Sache im Osten zum Stillstand und als dann die Schlacht in Stalingrad verloren ging und unsere 6. Armee gänzlich vernichtet wurde und was nicht tod oder verwundet war kam in russe Gefangenschaft und so ist Stalingrad ein Denkmal für jeden deutschen für alle Zeiten und es ging nur rückwärtes und die kleinen Oststaaten gingen einzel ab. Im Jahre 1944 feierten die Eheleute Heinrich Vales die goldene Hochzeit. Gegen Ende des Jahres 1945 griffen die Engländer, Amerikaner und Frazosen unsere Westfront an besonders Hafen und Festung Cherburg hunderte von Flugzeugen griffen Tag und Nacht deutsche Städte an und verwüsteten sie zerstörten große Sachwerte und viele Menschenleben. Auch das nahe kleine Städchen Nassau wurde 70% durch Bomben zerstört . Der gesamte Volkssturm wurde einberufen aber nichts konnte die feindliche Flut mehr aufhalten. Die Katastrophe nahte sich rasch den deutschen Grenzen von Westen wie von Osten und schon Anfang März 1945 standen die Feinde bei Aachen auf deutschen Boden ebenso vom Osten her. Große Staffeln feindlicher Flieger überflogen Tag und Nacht deutsches Land und warfen Bomben, so daß die Einwohner sich oft stundenlang im Keller oder im Bunker aushalten mußten deren ungefähr 10 eingerichtet waren. Im März hatten 3 Wochen die letzte Einquatierung Sanitäter, die uns am 26. März verließen. Am 22. März wurde das Fuhrwerk des Emil Größer Plötzermühle von Tieffliegern angegriffen auf der Straße Holzhausen Kemel und dabei die Tochter Irmgard und das Pferd getötet wurden. Die Amerikaner kamen immer näher und überall wurden die Brücken über Bäche und Flüsse gesprengt. So nahten sie auch unseren Ort am 28. März, nachdem am Abend zuvor ein Gefecht am Friedhof nach Bettendorf zu um unseren abziehenden Truppen Zeit zu gewinnen, dabei wurde das Gashaus Bilo Schulweiher die Scheune und Haus Krebs, die Wohnhäuser Albert Heuser und Wilhelm Heuser beschädigt und das Haus der Wittwe Schaab schwer außerdem viele Obstbäume. Der Einzug der Amerikaner in unser Ort erfolgte ohne jeden Zwischenfall. Stolz fuhren die amerikanichen Panzer eine große Zahl und sehr viele Autos. Beim Anblick dieses mir gesehenen Vorgangs, erlitt die Frau Karl Maxeiner I. einen Herzschlag und war sofort Tod. Jetzt erst spürten wir daß wir den Krieg verloren hatten. Verordnungen und Anordnungen nahmen selten ab und Lieferungen wurden befohlen. Am 19. März 1945 wurde in der nähe des Dorfes von unseren Abwehrgeschützen aus einer feindlichen Staffel ein schweres Bombenflugzeug abgeschossen, welches brennent in der Nähe des Friedhofes zu Boden fiel und unter steten Geknatter der explotierenten Munition ausbrannte. Die mitgeführten zentnerschweren 3 Bomben hatten sich tief in die Erde eingewühlt und explodierten nicht und mußten später im Wald gesprengt werden. Von der Besatzung hatte sich ein Mann durch Fallschirm Absprung gerettet, einer gerieth hier in Gefangenschaft, Drei waren bis zur Unkenntlichkeit verbrannt. Durch Bomben hatte das Dorf keinen direkten Schaden da sie auserhalb fielen in der Nähe vom Hof Spriestersbach und im Pohlerwald. Die erste Hälfte des Jahres brachte die fällige Niederlage und bedingungslose Übergabe an die Siegerstaaten, Not und Elend kehrte ein teuere Zeiten kommen. Alles lag still auch die Landwirtschaft litt sehr, weil Arbeitskräfte fehlten die Arbeitsgeräte waren außer Stand. Frucht, Heu, Stroh und Milch mußten abgegeben werden Düngermittel fehlten und nichts war für Geld zu haben, Vieh mußte geliefert werden und so kam der Viehstand und besonders der Schweinebestand sehr zurück. Deutschland wurde in 4 Zonen zerlegt und jede Zone durch eine Militärregierung verwaltet. Wir im Kreis St. Goarshausen kamen zum Regierungsbezirk Montabauer der franz. Zone Rheinland- Pfalz. Am 4. Mai 1945 fiel in den Kämpfen um Berlin unser Pfarrer Saueressig, nachdem seine Frau am 27. März durch Granattreffer im Keller des Pfarrhauses getötet worden war. Nachdem die hiesige Schulstelle mehrere Jahre durch auswärtige Lehrkräfte vertreten wurde, wurde der Fräulein Nuhn am 4. Mai 1944 die hiesige Schulstelle übertragen. Die Folgen des verlorenen Krieges wurden immer spürbarer und wurden auch im Jahre 1946 noch stärker. Am 16. Februar konnte das Ehepaar Karl Walter II. unter Teilnahme der ganzen Gemeinde das Fest der goldenen Hochtzeit feiern. Der Winter war gelind bis zur zweiten Hälfte Februar da trat starke Kälte plötzlich ein und die Nacht zum 17.2. war die kälteste Nacht Bis anfangs Juni blieb es abwechselnd rauh mit kalten Niederschlägen und Nachtfrösten. Sonst nahm die Not noch zu und aus den Stätten kamen die Leute Kartoffeln und Brot suchend oder allerhand Waren zum Tausch gegen Lebensmittel anbiedent. Kleider und Schuhe gab es in den Geschäften nicht mehr und die Lebensmittel wurden immer knapper. Zu aller Not kam noch ein anderes Unglück. Am 26. Juni gegen Abend nach 6 Uhr entlud sich über der Gemeinde ein schweres Gewitter mit Sturm, wolkenbruchartigem Regen und furchtbarem Hagelschlag, so daß am anderem Morgen noch Hagel zu sehen war. Fast die ganze Ernte war vernichtet sowie auch die Obsternte und viele junge Obstbäume wurden beschädigt. Die Saatfrucht für Herbst und Frühjahr mußte von auswärts beschafft werden. Obst gab es fast keins Knollengewächse und Gemüse gab es noch ziemlich und es wurden noch ziemlich Kartoffeln abgeliefert um den Hunger zu stillen. Die Viehlieferung nahm noch zu. Der älteste männliche Einwohner Gg. Benkhäuser des Ortes starb am 28. 02. 1947 – 86 Jahre alt und der Ortsdiener in R. Karl Walter III. am 04. Dezember seinen 80. Geburtstag feiern. Der Winter begann mit der zweiten Hälfte Dezember mit Luftkälte und Schnee bis Ende des Jahres, dann blieb der Januar 1947 ohne Schnee und mild und mit halben Februar setzte starker Frost mit Schnee ein und dauerte bis Ende der zweiten Märzwoche, dann blieb es rauh und unfreundlich mit wenig Regen bis anfang Juni. Dann setzte heißes Wetter ein und steigerte sich zu großer Hitze und das heiße Wetter hielt an bis anfangs November. Landregen gab es bis dahin nicht, nur einige leichte Gewitter mit sehr wenig Regen. Durch die Dürre konnte die Halmfrucht nicht wachsen die Halme blieben kurz und die Körner blieben sehr klein und der Hafer vielfach ohne Kern. Es gab wenig Stroh und wenig Körner und so brachte das Jahr 47 eine geringe Ernte, Grünfutter gab es fast nicht mehr und überall war Futtermangel. Gemüse wenig die Knollengewächse blieben durchweg klein, Obst gab es außer Zwetschen sogar sehr viel und konnten viele Zentner abgeliefert werden. Die Folgen der geringen Ernte zeigten sich erst recht im kommendem Winter und Frühjahr 1948 besonders in den Stätten, wo überall Hunger herschte und auf den Lebensmittelkarten konnten auch nur geringe Mengen an Kartoffeln, Brot, Fett und Fleisch abgegeben werden und die Menschen waren gezwungen aufs Land zu gehen um Lebensmittel zu kaufen zu tauschen oder zu betteln, nur der Schwarzhandel blühte. Die Not ging auch mit in den Winter, das neue Jahr, wo nicht allein die Lebensmittel sondern auch das Heizmaterial, weil es keine Kohlen für uns gibt, Sorgen machte. Der Januar gelind und regnerisch und in der zweiten Hälfte des Februar setzte starke Kälte ein, so daß viele Obstbäume not litten. Die Kälte dauerte nicht lange und der Winter war vorbei es folgte sehr mildes und trockenes Wetter und in der zweiten hälfte März gab es sehr warme sonnige Tage ohne Frostnächte und die Obstbäume blühten Ende April in großer Pracht.. April und Mai waren mit kalten Regenschauern verbunden und vielen kalten Tagen und Nachtfrösten. Der Juni hatte anfangs noch trübes aber wärmendes Wetter und zur Heuernte heißer Sonnenschein. Im letzten drittel Juni setzte trübes rauhes oft kaltes Regenwetter ein, so daß alte und kranke Leute noch im Juli heizen mußten. Ende Juli trat heißer Sonnenschein und Erntewetter ein und die Fruchternte begann. Am 4. August zog vom Westen her ein schweres Gewitter über die Gegend, es wurde sehr dunkel und starker Regen mit Hagel vermischt der keiner großeren Schaden tat folgte und sei dem ist wieder meist trübes und stürmiges Erntewetter. Der denkwürdigste Sonntag war für jeden der 20. Juni der Tag der Geldentwertung. Auf jeden Kopf einer Familie mußten 600 Reichsmark eingezahlt werden und wurde auf Jeden eine Kopfquote von 40 deutsche Mark ausbezahlt, 20 deutsche Mark wurden im Laufe zweier Monate ausbezahlt. Das übrige Geld mußte bis zum 28. Juni bei den Geldinstituten angemeldet und abgeliefert sein, sonst ist es ungüldig, nur das Geld der Allierten; 50 -10 und 1 Reichspfennig blieben als Wechselgeld gültig mit ½ ihres Nennwertes. Die Rentenmarkscheine zu 1 Mark blieben mit einem zehntel ihres Nennwertes vorläufig noch gültig. Die Aufwertung des abgelieferten Geldes steht noch bevor. Es starben 1948 -6 Personen, Geburten 3, Eheschließungen 7. Am 18. November verließ Fräulein Nuhn die hiesige Schule und Lehrer Becker kam an ihre Stelle.

Nachtrag

Den vorstehenden etwas ungegliederten Angaben müssen noch gewisse Tatsachen angefügt werden.

Wie immer nach einem verlorenen Krieg blieb 1945 tiefe Niedergeschlagenheit und eine entsetzliche Leere zurück: die öffentliche Verwaltung war aufgelöst, es war ein Stillstand überall. Herr Bürgermeister Feilbach blieb jedoch im Auftrag der Besatzung in seinem Amt bis zum 4. Oktober, dann wurde als neuer Bürgermeister Herr Heinrich Lehr II erannt. Die Bestätigung wurde dann bis Oktober 1948 ausgedehnt; durch ordentliche Wahl kam seine zweite Amtsperiode von 1948 bis Oktober 1952 hinzu.

Bis 1948 wae es eine sehr schwere Zeit, für die neugebildete deutsche Verwaltung einschl. aller Bürgermeister wie auch für die Gemeinden. Während da und dort in anderen Gemeinden die Nazis von den Gegnern vielfach angezeigt wurden, wodurch namentlich die Stelleninhaber führender Dienststellen der Verwaltung ( NSDAP) in das neue KZ = Internierungslager ( Diez, Trier, Oberstein) kamen und dort für 7- 9 Monate oder bis zwei Jahre und mehr , sogar bis zu 4 Jahren festgehalten wurden, blieb es in dieser Beziehung in Obertiefenbach ruhig, kein Einheimischer hat etwas gegen den anderen unternommen, das sei zur Ehre des Dorfes gesagt. Wenn auch einmal ein sich Fremdling gegen ruhige Bürger betätigte, so sonderte sich die Spreu sehr bald ab, das wichtige Getue verfiel und erstarb in eigener Minderwertigkeit.